Sind Sekten gefährlich?

Plakkat Sind Sekten gefährlich?Erst kürzlich hab ich davon gehört: wieder einmal ist ein Bekannter einer Sekte beigetreten! Den Zeugen Jehovas. Ich hätt nie gedacht, dass er sich überhaupt über Religion Gedanken macht. Und schon gar nicht, dass er zu einer Sekte geht.

Wenn wir „Sekte“ hören, denken wir an was Bedrohliches, Problematisches, Gefährliches. Und wenn sich dann noch der Sohn, die Tochter, der Ehepartner dafür zu interessieren beginnt, dann brauchen wir eine Antwort: sind Sekten gefährlich?

Bei uns in Vöcklabruck gibt es hauptsächlich zwei Gruppierungen, die allgemein als Sekten eingestuft werden: eben die Zeugen Jehovas. Und die Neuapostolische Kirche . Wobei eigentlich schon diese Einstufung problematisch ist:

Was ist eine „Sekte“?

Das Wort „Sekte“ kommt aus dem Lateinischen. Die Gelehrten sind sich allerdings nicht ganz  einig,  von welchem lateinischen Wort genau es abgeleitet ist. Manche sagen, von „sequi = folgen“. Ein „Sektierer“ ist somit jemand, der einer bestimmten Richtung oder Denkweise folgt. Recht neutral also.  Andere sind überzeugt, dass Sekte von „secta = geschnitten“ herkommt. Ein „Sekte“ ist abgeschnitten von einer Hauptrichtung.

  • Wenn man beides zusammenfasst, dann ist eine „Sekte“ eine Gruppe von Menschen, die sich von der bisherigen Richtung abgetrennt hat und nun einer neuen Denkweise folgt.

Die ersten Christen waren Sektierer!

Nach dieser Definition waren die ersten Christen Sektierer: Sie trennten sich von der im Judentum bis heute herrschenden Meinung, dass der Messias noch nicht gekommen sei. Weil sie überzeugt waren, dass Jesus dieser erwartete Messias sei, folgten sie ihm nach.
Kein Wunder, dass Paulus als Anführer der „Sekte der Nazarener“ bezeichnet wurde. Was ihn nicht weiter störte. Er bekannte sich zu der neuen Denkweise:

„Das allerdings bekenne ich offen vor dir: Ich diene dem Gott unserer Vorfahren in der Weise, wie es jener neuen Richtung entspricht, die sie als Sekte bezeichnen.“  

Apostelgeschichte, Kapitel 24, Vers 16

Wir sehen: dass jemand eine alte Richtung verlässt und Neues denkt, ist zunächst mal nicht von vornherein negativ. Auch Martin Luther hat seinerzeit eine neue Richtung eingeschlagen, als die katholische Kirche die Bibel vernachlässigt hat. Auch die evangelischen Freikirchen haben im 16. Jahrhundert eine neue Richtung eingeschlagen.

Welche „neue Richtung“ ist richtig?

Ist die neue Denkweise der ersten Christen zu vergleichen mit der Neuapostolischen Kirche? Sie wurde Ende des 19.Jahrhunderts durch Ausschluss von Mitgliedern aus der „katholisch-apostolischen Kirche“ in Hamburg gebildet. Grund des Ausschlusses war, dass sie von folgender „neuen Richtung“ überzeugt waren: es müssten wie in urchristlichen Zeiten neue Apostel berufen werden. Die eingesetzten „Stammapostel“ zementierten diese Trennung durch weitere Sonderlehren. Die Zeugen Jehovas wurden auch etwa um diese Zeit von Charles Russell gegründet. Er nannte seine Anhänger zunächst „ernste Bibelforscher“. Weil die Ergebnisse seines Bibelforschens in eine „neue Richtung“ gingen, mit der andere ernsthafte Bibelausleger nicht übereinstimmten, musste er eine eigene Gesellschaft gründen.

Ist das zu vergleichen mit der „neuen Richtung“ der ersten Christen?

Zwei Punkte sind wichtig:

1.) Es gibt nur einen einzigen richtigen Weg
Mir ist bewusst, dass sich diese Aussage „sektiererisch“ anhört, fast fanatisch. Ich hab’s auch nur deshalb so formuliert, weil Jesus Christus selbst das so deutlich sagt:
»Geht durch das enge Tor! Denn das Tor zum Verderben ist breit und ebenso der Weg, der dorthin führt. Viele sind auf ihm unterwegs. Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng und der Weg dorthin schmal. Nur wenige finden ihn.«

Matthäusevangelium Kapitel 7, Vers 13

Die Aussage von Jesus lässt an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig. Es gibt nur eine richtige Richtung, einen richtigen Weg. Und leider ist das nicht der Weg, den die Mehrheit bevorzugt.

2.) Der richtige Weg hat einen Namen: Jesus Christus
Entscheidend ist nicht die Zugehörigkeit zur „richtigen“ Kirche oder Gruppe. Sondern entscheidend ist eine Person:
Jesus antwortete:

»Ich bin der Weg, denn ich bin die Wahrheit und das Leben. Einen anderen Weg zum Vater gibt es nicht.«

(Johannes-Evangelium, Kapitel 14, Vers 6)

Ergebnis

Die Ausgangsfrage war: sind Sekten gefährlich?

Antwort 1 : die Definition ist neutral: Sekten sind einfach Trennungen von einer bisherigen Denkweise, um einer neuen Richtung zu folgen.
Antwort 2 : Allerdings gibt es nur eine einzige „richtige“ Richtung: nur wer Jesus Christus vertraut, ist auf dem Weg zum Vater im Himmel.
Antwort 3 : genau das ist der Grund, warum Sekten auch „gefährlich“ sein können. Nicht, weil sie etwa zu Unmoral oder kollektivem Selbstmord aufrufen oder in den finanziellen Ruin treiben könnten. Solche Sekten gibt es auch, aber zumindest meines Wissens nach nicht bei uns in Vöcklabruck. Sekten sind dann gefährlich, wenn sie sagen, dass es einen anderen Weg gibt, um in den Himmel zu kommen. Dass eine bestimmte „Versiegelung“ nötig sei. Dass es außerhalb dieser Gruppe kein Heil gibt. Dass man an die Türen von Menschen gehen muss, usw. So eine Denkweise fördert die Überzeugung: „Wenn ich dazu gehöre und das tu, dann bin ich auf dem rechten Weg.“ Das ist ein Irrtum, der verhängnisvolle Folgen für die ganze Ewigkeit haben kann. Weil Gott in seinem Wort ausdrücklich sagt: der einzige Weg zu ihm führt über Jesus Christus.

An die Mitglieder von Sekten
Noch ein Wort an Sie, wenn Sie einer Gemeinschaft angehören, die allgemein als Sekte eingestuft wird. Ich hoffe, Sie haben durch meinen Artikel nicht den Eindruck gewonnen, dass ich keinen Respekt vor Ihren Überzeugungen habe. Aus vielen Gesprächen kenne ich die Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit, mit der gerade Zeugen Jehovas versuchen, Gott zu gefallen.
Der Apostel Paulus schreibt im Römerbrief, Kapitel 10:

Ich kann ihnen bezeugen, dass sie sich mit brennendem Eifer für die Sache Gottes einsetzen.

Könnte das auf Sie zutreffen? Brennender Eifer für Gott?  Sehr gut. Behalten Sie diesen Eifer bitte bei. Diesen Eifer sieht Paulus bei seinen jüdischen Zeitgenossen, die sich von ganzem Herzen bemühten, so zu leben, dass es Gott gefällt. Aber es ist entscheidend, dass dieser Eifer für die richtige Sache brennt. Deshalb ist Paulus gezwungen, so fortzufahren:

Aber ihr Eifer beruht nicht auf der richtigen Einsicht. Sie begreifen nicht, dass Gott selbst eingegriffen hat, damit Menschen vor ihm als gerecht bestehen können. Deshalb suchen sie durch eigene Anstrengungen Gerechtigkeit zu erringen […]. Denn seit Christus ist das Gesetz nicht mehr der Weg zum Heil. Vielmehr gilt jetzt: Alle, die im Glauben auf Christus vertrauen, werden vor dem Gericht Gottes als gerecht anerkannt werden.


Ich will Sie nicht schulmeistern. Aber ich möchte Sie sehr herzlich bitten, sich selbst zur Kontrolle diese Frage zu stellen: warum denke ich, dass meine Richtung, meine Denkweise, vor Gottes Gericht als richtig anerkannt wird?

  • Weil ich etwas für ihn tue?
  • Weil ich zur richtigen Kirche/Gruppe gehöre?
  • Weil ich versiegelt oder getauft bin?
  • Oder weil ich darauf vertraue, dass einzig und allein Jesus der Weg zur Rettung ist?

Die Antwort auf diese Fragen entscheidet, ob es für Sie gefährlich ist, dieser Sekte anzugehören, oder nicht.

Ich wünsche allen Lesern dieses Artikels, dass sie Jesus Christus ihr Leben anvertrauen. Sowohl was seine Leitung hier im Leben betrifft. Als auch seine Hilfe, wenn es darum geht, im Himmel anzukommen.

Unter www.sektenausstieg.net finden sich Infos und Artikel über die Neuapostolische Kirche, die Mormonen und die Zeugen Jehovas. Vor allem die Rubrik „Erfahrungen“ bei „Zeugen Jehovas“ ist sehr interessant.

Gerne stehe ich für Rückfragen zur Verfügung. Und freue mich auch über Ihr Feedback.

Werner Ludwig