Warum lässt Gott das zu?

Vorbemerkung:Warum lässt Gott das zu Plakat

Das ist die Frage, die vielleicht am häufigsten gestellt wird. Wenn es Gott gibt, warum lässt er „das“ dann zu? Vielleicht haben Sie ein eher intellektuelles Interesse:  „Warum lässt Gott Hunger zu?“ Nur wenige von uns haben je gehungert. „Warum lässt Gott Krieg zu?“ Auch hier tendiert die Zahl die „aktiven Kriegsteilnehmer“ in unserem Land gegen Null. Trotzdem kein Fehler, mal „am grünen Tisch“ darüber nachzudenken.
Ganz anders allerdings, wenn Sie die Frage aus persönlichem Betroffensein stellen: „Ich hab Krebs. Warum ich?“ „Meine Eltern lassen sich scheiden. Warum tut Gott nichts?“ „Mein Kind ist verunglückt. Warum hat Gott das zugelassen?“
Wenn Sie aus diesem Grund die Seite angeklickt haben, weil Sie tiefes Leid erleben und verzweifelt nach einer Antwort auf die Frage nach dem Warum suchen, dann sind diese Zeilen allein vielleicht keine große Hilfe. In diesem Fall empfehle ich Ihnen, zusätzlich das persönliche Gespräch zu suchen. Mit jemand, der auch weiß, was die Bibel dazu sagt, der aber gleichzeitig auf Ihre spezielle Not eingehen kann. Der mitleiden und trösten kann. Die folgenden Zeilen listen „theologisch korrekt“ einige Aussagen der Bibel zum Thema auf. Aber ich bin mir sehr bewusst, dass bei diesem Thema die Grenze einer anonymen Internetseite erreicht ist. Deshalb noch mal: wenn Sie über Ihre Situation fast verzweifeln, suchen Sie einen „Seelsorger“ auf: jemand, der sich um Ihre „Seele sorgt“ und Ihnen zur Seite stehen kann. Falls Sie niemand kennen, werden wir uns gern bemühen, Ihnen eine Adresse zu vermitteln. Kontaktieren Sie uns einfach.

Fallstudie: Hiob

Die Heiligen Schrift enthält eine „Fallstudie“ zum Thema: ein reicher, angesehener, gesunder Familienvater verliert alles. Seinen Besitz: er wird bettelarm. Sein Ansehen: sogar Kinder auf der Straße lachen ihn aus. Seine Gesundheit: Hautgeschwüre am ganzen Körper lassen ihn am Leben verzweifeln. Seine Familie: alle Kinder kommen bei einem Hauseinsturz ums Leben. (Buch Hiob, Kapitel 1 +2).
Warum lässt Gott das zu?
Es kann unterschiedliche Gründe geben. Einen davon sehen wir bei Hiob: Auslöser war ein Disput in der unsichtbaren Welt. Gott freute sich über Hiob, der ein frommer Mann war. Worauf der Teufel argumentiert (in meinen Worten): „Hiob ist nur fromm, weil er einen Vorteil davon hat. Wetten: sobald es ihm schlecht geht, wird ihn der Glaube nicht mehr interessieren.“ Gott geht drauf ein und lässt es zu,  dass der Teufel den Glauben von Hiob auf die Probe stellt. Eben durch das oben erwähnte Leid.
Das ist die erste mögliche Antwort auf die Frage nach dem Warum:

1) Leiden als Prüfstein: vertrau ich Gott auch dann, wenn er Schweres zulässt?
Das Argument vom Teufel stimmt ja auch: wem es gut geht, der kann Gott leicht loben. Hiob gelingt es zunächst auch im Leiden noch. Als seine Frau meint, er soll Gott absagen, antwortet er:

„Wenn Gott uns Gutes schickt, nehmen wir es doch gerne an. Warum sollen wir dann nicht auch das Böse aus seiner Hand annehmen?“

(Hiob, Kapitel 2, Vers 10)

Mein Vorschlag: beten Sie das sinngemäß nach. Danken Sie Gott für alles Gute, das er Ihnen bisher geschenkt hat und noch schenkt. Und sagen Sie ihm, dass Sie ihm vertrauen. Und deshalb auch das Schwere aus seiner Hand annehmen wollen. Bitten Sie ihn um die Kraft dazu.

Die Tage vergingen, das Leiden blieb. Hiob wünscht, er wäre tot. Und dann bricht es aus ihm heraus: Warum? Warum ich?
Hiob bekommt Besuch. Drei Freunde versuchen, ihm zu helfen. Ich nehme es vorweg: sie scheitern kläglich. Ihr Argument, kurz zusammengefasst: „Dein Leid ist das Ergebnis deiner Sünde. Hör auf zu Sündigen, dann hört das Leiden auf“. Auf diesen Gedanken würden wir heute nie kommen oder? Aber die Bibel lehrt auch an anderen Stellen, dass dies eine weitere mögliche Antwort auf die Frage nach dem Warum sein kann:

2) Leiden als selbst ausgelöste Folge des Lebensstils
a) „ungesunder Lebensstil“ kann Krankheiten verursachen
Beispiele: Das leuchtet leicht ein: dass ein Alkoholiker unter Leberproblemen zu leiden hat, ist vorhersehbar. Dass die Gefahr einer Erkrankung an Aids bei häufigem Wechsel des Sexualpartners steigt, ist bekannt. Wer sich ständig ärgert, bekommt leicht Magengeschwüre, klar.
Genau so einleuchtend ist es, dass Beziehungsprobleme eine Folge davon sind, wie die Beziehungen gelebt werden:
b) „unkluger Lebensstil“ kann Beziehungsprobleme bringen
Beispiel: Wer so unklug ist, dass er der Beziehung zu seinem Partner nicht höchste Priorität einräumt, muss u.U. die Folgen einer Scheidung hinnehmen.
c) Leben unter Missachtung der Anweisungen Gottes kann Ursache für Leid sein
Einer der  Freunde von Hiob sagt es recht unverblümt:

„Deine Kinder haben sich versündigt, darum hat er sie bestraft, wie sie es verdienen.“ Und in Bezug auf Hiob: „Wenn du dich wieder zu ihm wendest, wird er dein Unglück auch wieder wenden.“

(Hiob, Kapitel8, Vers 4-6)

Wir wissen, dass die Freunde danebenlagen: weder das Unglück der Kinder noch das Leiden Hiobs hing mit Sünde zusammen. Sondern mit Prüfung.
Aber was schon stimmt: Leiden kann eine Folge von Sünde sein. Die Bibel lehrt: wer in seinem Leben nicht nach Gott fragt, wird zwangsläufig leiden. Spätestens nach dem Tod, wenn er nicht bei Gott im Himmel sein wird. Aber gerade auch Leute, die zu Gott gehören, müssen manchmal Schweres einstecken. Weil Gott sie sorgsam erzieht:

“Mein Sohn, wehre dich nicht, wenn der Herr dich hart anfasst, werde nicht unwillig, wenn er dich ermahnt. Denn wenn der Herr jemand liebt, dann erzieht er ihn mit Strenge, genauso wie ein Vater seinen Sohn."

(Sprüche/Sprichwörter, Kapitel 3, Verse 11+12)

Was sicher ganz falsch und sogar gefährlich ist: als Ursache für Leid beim anderen Sünde zu unterstellen. Wir können das nicht beurteilen. Und das ist auch gar nicht unsere Aufgabe.
Was sicher nie falsch ist: bei uns selbst zu prüfen, ob wir eine Verbindung zwischen unserem Leiden und unserem Lebensstil erkennen können.

  • Mein Vorschlag bei Krankheit: überlegen Sie, ob vielleicht ungesundes Verhalten oder ungesunde innere Einstellung die Krankheit begünstigt. Reden Sie mit ihrem Arzt darüber. Bitten Sie Gott, Ihnen zu helfen, einen gesunden Lebensstil einzuüben.
  • Mein Vorschlag bei Beziehungsproblemen: überlegen Sie, was sich ändern müsste, damit ein Neuanfang stattfinden kann . Reden Sie offen mit der Person, mit der das Problem besteht, und überlegen gemeinsam, ob diese Änderungen möglich sind.
  • Mein Vorschlag bei Missachtung der Anweisungen Gottes: wie es z.B. bei einem Elektrogerät logisch ist, dass wir die Anweisungen des Herstellers beachten, um lange Freude daran zu haben, so ist es für uns Menschen wesentlich, die Anweisungen unseres Schöpfers zu befolgen, um so zu leben, wie er es sich gedacht hat.. Lesen Sie in der Bibel, was Gott über unseren Lebensstil, über unsere Lebensziele, sagt. Ziehen Sie, wenn nötig, die Konsequenzen. Und danken Sie Gott, dass er mit offenen Armen darauf wartet, dass wir uns an ihn wenden.

3) Leiden, ohne dass für uns ein Grund ersichtlich ist
Hiob sah absolut keinen Zusammenhang zwischen dem Leid, das ihn getroffen hat, und seinem Leben. Und bittet Gott immer wieder, es ihm zu erklären. Ab Kapitel 38 ist es dann soweit: Gott selbst redet mit Hiob. Sein Argument, wieder in meinen Worten: Hast du alles so perfekt geregelt: dass es Morgenrot gibt, wann die Gemsen gebären, dass Pferde Mähnen haben… Und Hiob wird deutlich:

„In meinem Unverstand hab ich geredet von Dingen, die mein Denken übersteigen. [...] Ich schäme mich für alles, was ich sagte; in Staub und Asche nehm ich es zurück."

(Hiob, Kapitel 42, Verse 3+6)

Gott ist so gewaltig, dass wir Menschen sein Handeln oft gar nicht erfassen können. Wie ein Volksschüler Schwierigkeiten hat, Einsteins Relativitätstheorie zu begreifen.

In diesem Fall, und auch in den anderen, können uns zwei Verse aus dem Neuen Testament  Hilfe sein:

Wer Gott lieb hat, der hat folgende beiden Zusagen schriftlich:

a) Was Gott auch immer zulässt: es ist zu meinem Besten:

„Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen [...]".

(Römerbrief, Kapitel 8, Vers 28)

Viele haben das am eigenen Leib erfahren: gerade die schweren Zeiten waren die Zeiten, wo die Persönlichkeit gereift ist. Nicht immer sehen wird das so deutlich, aber ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie erkennen, wie durch die jetzige Not Gutes bewirkt wurde.

Selbst wenn das im Leben noch nicht sichtbar werden sollte:

b) Spätestens im Himmel wird es himmlisch sein

„Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein. Er wird alle ihre Tränen abwischen, Es wird keinen Tod mehr geben und keine Traurigkeit, keine Klage und keine  Quälerei mehr. Was einmal war, ist für immer vorbei."

(Offenbarung, Kapitel 21, Verse 3+4)

Warum lässt Gott das zu? Manchmal können wir es erahnen. Oft nicht. Aber das soll uns nicht davon abhalten, ihm zu vertrauen. In Freud und in Leid. Wie Hiob:

„Wenn Gott uns Gutes schickt, nehmen wir es doch gerne an. Warum sollen wir dann nicht auch das Böse aus seiner Hand annehmen?“
(Hiob, Kap.2,10).